Wie manch Schönes und Angenehmes im Leben, sollte auch dies nur von kurzer Dauer sein und bald ein jähes Endes nehmen. Kaum waren wenige Wochen vergangen, starb Tara ganz plötzlich. Auf einmal hatte sie begonnen hinfällig zu werden, aß immer weniger und verließ selten ihr Lager. Dabei zeigte sie uns gegenüber eine Anhänglichkeit wie wir sie bislang bei ihr nicht kannten. Sie verhielt sich, als wollte sie von jedem einzelnen Abschied nehmen und das tat sie wohl auch. Dieser Gedanke war mir gekommen, nachdem Tara sich hin und wieder aufgerafft hatte, sich vom Lager erhob, mühevoll über den Hof zur Garage ging, vor deren geschlossenen Tür eine Zeitlang verharrte und danach, ebenso angestrengt, wieder auf ihren Platz zurück kam. Es gab keinen Zweifel: Die treue Tara wollte sich auch von meinem Mann verabschieden; sie war es gewohnt, ihn tagaus tagein von der Garage abzuholen. Immer wenn sie das ihr bekannte Geräusch des Wagens vernahm, der über den Hof fuhr, eilte sie zur Garage hin, um ihn von dort ins Haus zu begleiten. Diesmal gab es keine Wagengeräusche. Ihr Herrle, auf das sie wartete, befand sich auf einer Dienstreise. An jenem Tag legte sie den mühsamen Weg zwischen Haus und Garage etliche Male zurück. Als auch der letzte Gang vergebens war, ging sie schon nicht mehr ins Haus, sie schleppte sich mit letzter Kraft in den davor liegenden Garten. Dort legte sie sich am Zaun auf Grasbüscheln wie zum Sterben hin. Als wir sie holen wollten, rang sie mit dem Tod und kam nicht mehr zu sich.

Nachdem ich mich in den alten Bundesländern bei Züchtern umgesehen und umgehört hatte und nichts Vergleichbares fand, folgte ich dem Rat eines Insiders, es doch einmal in den neuen Bundesländern zu versuchen. Bis dahin war mir nicht bekannt, dass es auch dort schon zu DDR - Zeiten, erprobte Züchter von Chihuahuas gab.

So ließ ich es mir nicht nehmen, während einer Reise durch die neuen Bundesländer einen Abstecher ins ostthüringische Gera zu machen, um in der Chihuahua - Zucht der Familie Pleyer, "Bei den Poltergeistern" - so heißt deren Zwinger- nach einer Hündin Ausschau zu halten, die mich an Chicca erinnerte. Frau Pleyer widmete uns viel Zeit; es war für mich eine angenehme Überraschung, ihre schönen und gepflegten Hunde zu besichtigen. Da Chicca rot-weiß gescheckt und ich auf diese Färbung eingeschworen war, suchte ich unter den Tieren sofort nach einer ähnlichen. Aber bei Familie Pleyer überwogen damals Hunde mit dunkler bis schwarz-weißer Scheckung - eine rot-weiße war nicht dabei, sonst hätte ich, falls eine zu verkaufen gewesen wäre, sie bestimmt sofort mitgenommen; das Wesen der Hunde von Familie Pleyer sprach mich an.